Straßenschlachten in Grube?
Warum wir heute eigentlich hier sind…

„Wir empfehlen zu dem genannten Zeitpunkt den weiteren Bereich um die Wublitzstr. 13 zu meiden sowie keine KFZ dort abzustellen.“ kann mensch auf dem offiziellen Internet-Portal des Potsdamer Ortsteils Grube lesen. Weiterhin prognostiziert der Ortsbeirat Straßenschlachten und selbst in Polizeikreisen um den neuen Polizei-Chef von Potsdam, Maik Toppel, spricht mensch von einer „neuen Qualität“ linker Demonstrationen in Potsdam.

Der Grund für diese Schreckensszenarien ist unsere heutige Kundgebung vor dem Haus des Vermieters des Berliner „Thor Steinar“-Ladens „Tönsberg“. Dieser eröffnete Im Oktober vergangenen Jahres in der Berliner Allee 11, in Weißensee.

Hier im Ort scheint mensch sich nicht gern mit Problemen auseinanderzusetzen, welche den Rand des eigenen Vorgartens überschreiten. So wird unsere Aktion heute als „sinnlos“ tituliert, da der Firmensitz der Hausvermietung gar nicht hier sei.
Wer allerdings seine Belange als Mieter der Berliner Allee 11 und angrenzender Häuser geklärt wissen möchte, muss sich an die Immohaus GmbH  wenden – und die sitzt bis zum jetzigen Zeitpunkt nun mal in Potsdam-Grube.

Uns ist bewusst, dass Klaus Rosenthal, der nun mal der offizielle Ansprechpartner der Immohaus GmbH  ist, gern unterwegs ist, hier und da Geschäfte macht und mit Sicherheit auch mehr als einen Wohnsitz unterhält. Natürlich stellt sich für uns die Frage, wie wir unserem Ärger über das Verhalten von Klaus Rosenthal Luft machen können. Wo, wenn nicht vor dem offiziellen Sitz der Immohaus GmbH   – und wenn diese Adresse auch nur als temporärer Wohnsitz von Herrn Rosenthal fungiert, dann sei’s halt drum.

Die Eröffnung des rechten Bekleidungsgeschäftes „Tönsberg“, hat die, seit Längerem gefährliche Lage, in Weißensee zunehmend verschärft. Zu dem üblichen rechten Klientel, dass sich in unmittelbarer Nähe des Ladens, am Antonplatz, aufhält, gesellt sich nun noch die Kundschaft des rechten Klamottengeschäfts. Rechte Propaganda nimmt zu, Menschen werden beleidigt und zusammengeschlagen, während Herr Rosenthal umherreist und vor allem durch Ignoranz gegenüber diesen Problemen glänzt.
Der Antonplatz wird seit Jahren stark von rechten Jugendcliquen bis hin zu organisierten Neonazis frequentiert. Allein letztes Jahr kam es zu mindestens sechs Übergriffen am Antonplatz, seitens Neonazis, wobei die Angegriffenen zum Teil mit Waffen verletzt wurden.

Dass Herr Rosenthal durch sein unreflektiertes Verhalten mit zur Verstärkung eines Klimas der Angst in Weißensee beiträgt, scheint hierbei nur wenig bis gar keine Beachtung zu finden. Das Herunterspielen dieser Problemlage wird somit genutzt, um den Frieden im beschaulichen Ländle nicht zu gefährden.

Selbst wenn Herr Rosenthal heute nicht regulär zugegen ist, wollen wir trotzdem verdeutlichen, warum wir heute hier sind und welchen Erfolg unser Protest jetzt schon hatte. Herr Rosenthal wurde bereits im Dezember 2011 um eine Stellungnahme vom Bezirksamt Pankow gebeten, auf welche es bis zum Bekannt- werden unserer Kundgebung keine Reaktion gab. Auch ein Angebot der „Mobilen Beratung gegen rechts“ (MBR) für Unterstützung war für ihn zunächst nicht von Interesse. Die einzige öffentliche Wortmeldung Seitens des Vermieters beschränkte sich auf ein kurzes Statement gegenüber dem Berliner Kurier, in dem er betonte, dass es ihm schlichtweg egal ist, wer ihm die Miete zahlt.

Nun hat sich die Situation geändert: plötzlich ist Herr Rosenthal mit dem Protest gegen den Laden, und damit auch indirekt gegen seine Mitverantwortung, persönlich konfrontiert. Das hat nun schon Wirkung gezeigt. So wendete sich Herr Rosenthal an das Bezirksamt und machte die Bürger_innen-Initiative bzw. das „Kein Kiez für Nazis“-Bündnis für die „Verschönerung“ des Ladens, und damit auch verbunden des Hauses, verantwortlich. Die von ihm geforderte Stellungnahme vom Bezirksbürgermeister Köhne blieb jedoch erfreulicherweise aus. Weiterhin hat er nun doch ein Beratungsgespräch von der MBR angenommen. Wir sagen: „Es geht doch!“ und begrüßen ausdrücklich den Schritt seitens des Vermieters, sich nun doch mit dem etwas problematischen Mieter seines Hauses auseinanderzusetzen.

Wir hoffen, dass die Gespräche konstruktiv verlaufen und sind auch gern bereit, unsere Unterstützung anzubieten. Denn auch wir wollen nicht noch einmal hierher kommen müssen.

Wir hoffen, dass unser Anliegen in Grube auf offene Ohren stößt und würden uns darüber freuen, wenn der ein oder andere mit Herrn Rosenthal ein Gespräch führt, denn für uns ist der „gute Mann“ schwer erreichbar.

Den Anwohner_innen von Grube gegenüber möchten wir betonen, dass wir nicht hier sind, um „sinnlose“ Krawalle anzuzetteln, wie es ja immer wieder zu lesen war. Es geht uns explizit um die Auseinandersetzung mit dem Vermieter des Ladens. Wir hoffen, Sie nicht ganz verschreckt zu haben, und laden sie auch gern auf eine Tasse Kaffee oder ein Stück Kuchen ein.

Bündnis: „Kein Kiez für Nazis“ (März 2012)