Bericht und Bericht: 800 gegen „Thor Steinar“ in Berlin-Weißensee

Bilder: Thomas Rassloff, Noktalia,Neukoellnbild

Bereits anlässlich der Eröffnung des Neonaziladens „Tønsberg“ in der Berliner Allee 11 “ am 28. Oktober versammelten sich etwa 100 Anwohner_innen, um den Neonazis einen gebührenden Empfang zu bereiten. Wie versprochen, kamen sie wieder. Mit etwa 500 Teilnehmer_innen startete heute Abend gegen 18.00Uhr die Demonstration unter dem Motto: „Kein Kiez für Nazis – Weg mit dem Neonaziladen ‚Tønsberg‘ in Weissensee“ am S-Bahnhof Greifswalder Straße. Vorbei an verschiedenen Orten der wenigen, verbliebenen neonazistischen Umtriebe im Bezirk führte die Route zum „Tønsberg“.
Auftakt – „East Side Sportbar“

Schon nach wenigen Metern kam die Demo an der vor allem von rechtsoffenem bis neonazistischem Publikum frequentierten „East Side Sportbar“ vorbei. Schon bevor die Demomoderation den Redebeitrag zur „East Side Sportsbar“ verlas, kam ein deutscher Stiernacken aus der Kneipe und begann die Demonstrant_innen zu beschimpfen. Die Polizeibeamt_innen reagierten prompt und stellten sich schützend vor die Bar und den pöbelwütigen Deutschen. Nachdem das Publikum selbst nicht einer offenen Selbstcharakterisierung sich versagte, unterstrich der anschließende Redebeitrag jenen Auftritt noch einmal.

Angstraum Antonplatz?

Weiter ging es durch Prenzlauer Berg Ost über, die verschlungenen Seitenstraßen und die Langhansstraße zum Antonplatz. Hier wurde auf die, sich häufenden, rechten Übergriffe rund um den Antonplatz und in den lokalen Tramlinien berichtet. Gerade in den vergangenen Sommermonaten avancierte der Antonplatz zu einem Treffpunkt von – zumeist angetrunkenen – rechtsoffenen Jugendcliquen, von denen auch immer wieder Pöbeleien und Übergriffen ausgehen. So wurden am 15. Mai zwei junge Erwachsene in der Tram-Linie M4 von einer Gruppe Neonazis attackiert. Einem der Angegriffenen brachen sie das Nasenbein.

Höhepunkt – Ein Naziladen in Weissensee?

Als die Demo vorm „Tønsberg“ ankam, war die Zahl der Teilnehmenden inzwischen auf bis zu 800 angewachsen. Lautstark forderten die Antifaschist_innen unter Jubel und Sprechchören die Schließung des Ladens. Bekräftigt wurde diese Forderung durch einen Redebeitarg der Senatorin für Stadtentwicklung Christine Keil. Die engagierten Beamt_innen der Berliner Polizei riegelten den Laden jedoch bereits im Vorfeld weiträumig ab, um jedwedes offensives Vorgehen gegen die Einrichtung zu unterbinden. Antifaschist_innen aus Sachsen verlasen gegen Ender der Demo noch einen Beitrag zum ehemaligen Chef der Wehrsportgruppe Hoffmann, der am 26. November  diesen Jahres in Leipzig referieren wird.

Noch während der Abmoderation, kam es zur Festnahme einer Person durch die anwesenden Beamt_innen. Nach etwas Tumult entspannte sich die Situation wieder.

Resümee – Kein Tag länger

Das Bündnis „Kein Kiez für Nazis“ wertete die Demonstartion an und für sich, als auch das Feedback auf selbige als Erfolg. Die Reaktionen auf die Demo reichten von Interesse bis zu offenen Sympathiebekundungen. So applaudierten z.B. einige Anwohner_innen von ihren Fenstern aus oder hoben die Faust zum Gruß

Für die Demonstration wurde lediglich rund drei Wochen lang geworben. In dieser Zeit erhielten wir sehr viel positives Feedback vor allem bei den Verteilaktionen im öffentlichen Raum. Hierbei wurden wir von vielen Weißenseer_innen in unserem Anliegen bestärkt. Außerdem wurde klar, dass die von uns aufgegriffene Problematik bei vielen Anwohner_innen schon angekommen ist – vor allem die flächendeckenden Plakatier- und Flyer-Steckaktionen im Bezirk hatten wohl ihren Beitrag dazu geleistet. Auch an der Demo beteiligten sich viele Weißenseer_innen, die über unsere Werbung von der Aktion erfahren hatten.

Um diesen „Erstkontakt“ nicht verebben zu lassen ist derzeit eine Kiez-Vollversammlung in Planung, bei der interessierte Weißenseer_innen sich über Gegenstrategien gegen das rechte Bekleidungsgeschäft austauschen können.

Kommende Woche gilt es auch wieder antifaschistisch aktiv zu werden. Denn am Dienstag findet eine Kundgebung vor der polnischen Botschaft in Berlin für die, von Repression betroffenen, Antifaschist_innen statt, die während der Proteste gegen den rechten „Marsch für Unabhängigkeit“ in Warschau verhaftet und brutal schikaniert wurden.

Demo: Gegen Repression und Polizeigewalt in Warschau!
Di. 22. November 2011, 16.30 Uhr, S-Bhf. Grunewald

Die Redebeiträge der Demonstration können demnächst auf www.keinkiezfuernazis.blogsport.eu